Wie alles begann – 12 Jahre HannaBell Handmade
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Vom ersten Stich zum Handmade Business
12 Jahre ist es her, dass mein kleiner Herzensshop das Licht der Welt erblickt hat.
Doch noch vor 14 Jahren konnte ich weder nähen noch hatte ich eine Ahnung von dem, was auf mich wartete. Ich war gerade nach der Elternzeit wieder in meinem eigentlichen Beruf als Produktmanager in der pharmazeutischen Industrie gestartet und hatte eine Kollegin, die wahnsinnig tolle Handarbeiten herstellte.
Während der Schwangerschaft und in der Elternzeit hatte ich angefangen eine Decke für meine Tochter zu stricken. Das erste Stück war allerdings ein viiiiiiiiiel zu kleiner gestrickter Pullover (örgs). Unsere Puppe hat ihn dafür immerhin sehr lange getragen.

Für die gestrickte Decke brauchte ich allerdings ein Binding, denn so war sie eigentlich gar nicht richtig zu gebrauchen. Also fasste ich mir eines Morgens ein Herz und fragte diese Kollegin, ob es möglich wäre hinter die gestrickte Decke eine Fleecedecke zu nähen und ob sie das für mich machen könnte.
Gesagt, getan.
Und diese Decke war einfach so wahnsinnig schön geworden mit der Rückseite, dass ich unfassbar neidisch auf die Kollegin war, was sie alles zaubern konnte.

Doch über diese Decke kamen wir ins Gespräch – und sie weckte bei mir den Drang wieder zur Nadel zu greifen.
Meine ersten Schritte in der Nähwelt
So entstanden ein paar gestrickte Sachen und ich kaufte mir die ein oder andere Handarbeitszeitschrift.
Ein großes Thema im Jahr 2012 war jedoch die Nähwelt. Stoffmärkte fanden statt und diese wunderschöne bunte Kinderkleidung schoss gefühlt wie Pilze aus dem Boden.
Ein großer Teil davon war die Patchwork-Szene mit ihren irrwitzigen Kombinationen aus Farben und Mustern. Das hat mich schon immer fasziniert und ich wollte unbedingt ein Teil davon sein.
Weihnachten erzählte ich meiner Schwiegermutter davon. Witzigerweise hatte sie noch eine Nähmaschine auf dem Dachboden stehen, die gerade keine Verwendung fand.
Silvester holte mein Mann sie für mich ab.

Und ich nähte meine allererste Naht.
Zum 1.1.2013 hing ich also offiziell an der Nadel – und ab da gab es kein Halten mehr.
Nähen lernen mit Blogs und Schnittmustern
Die ersten Stücke waren natürlich mehr oder weniger für die Tonne.
Bis ich die Schnittmuster von Schnabelina und die dazugehörigen Videos entdeckte. Anhand des Blogs habe ich mir tatsächlich das Nähen beigebracht.
Im September habe ich dann einen Regenbogenbody und eine Wickeltasche an die neugeborene Tochter meiner Freundin verschenkt – und einen Turnbeutel an die beste Freundin meiner Tochter.

Dieses Gefühl, etwas mit den eigenen Händen hergestellt zu haben, das einen echten Nutzen hat und tatsächlich verwendet wird, hat mich unglaublich angetrieben.
Ich wollte meine genähten Sachen zeigen – also eröffnete ich eine Facebook-Seite.
Wie aus einem Hobby ein Handmade Business wurde
Von diesem Zeitpunkt an hat das Schicksal wohl einiges gelenkt.
Damals verbreiteten sich Beiträge auf Facebook noch organisch und plötzlich hatte ich Follower, die mich fragten, was so ein Turnbeutel denn kosten würde.
Ich war völlig geflasht – aber auch unsicher.
Wenn jemand Geld für meine Sachen bezahlen möchte, muss es perfekt sein!
Ich wäre diesen Schritt vermutlich nie gegangen, denn meine eigenen Zweifel waren größer.
Also hat meine Familie mir Weihnachten 2013 – ein Jahr nach meiner ersten Naht – den ausgefüllten Gewerbeschein sowie das Startgeld dafür unter den Weihnachtsbaum gelegt.
Im Januar 2014 wurde HannaBell offiziell als Gewerbe eingetragen und mein Dawanda Shop eröffnet

Die Handmade Szene um 2013
In Vorbereitung auf diesen Blogbeitrag habe ich meine Fotos durchgesehen.
Es ist unfassbar, welche Veränderungen seit 2013 zu sehen sind – nicht nur bei mir, sondern generell in der Handmade-Szene.
2013 nähte gefühlt jede Mama in meinem Umfeld. Wir gaben uns gegenseitig Tipps, wo welche Stoffe zu bekommen sind und welche Schnittmuster gerade genäht wurden.
Es wurde so viel ausprobiert und ausgetauscht – es fühlte sich an wie eine eigene kleine Welt, zu der auch HannaBell gehörte.
Aufrufe zu Probenähen, gegenseitiges Pushen durch das Teilen und Kommentieren von Beiträgen – all das war selbstverständlich.
Facebook-Gruppen entstanden, in denen Werke gezeigt, Fragen gestellt und lustige Alltagsgeschichten ausgetauscht wurden.
Und ganz nebenbei entwickelten wir uns alle weiter.
Gemeinsam.
Meine ersten Maschinen – und wie alles professioneller wurde
Als mein Dawanda-Shop 2013 eröffnete, war es völlig normal, dass ein Kleidungsstück ohne Overlock an der Haushaltsnähmaschine genäht wurde.
Es war Handmade – und das durfte man auch sehen.
Eine Overlock war damals noch keine Maschine, die sich jeder sofort anschaffen wollte. Für Webware benötigt man sie zum Beispiel gar nicht und Jersey kam gerade erst richtig auf.
Anfangs habe ich sehr viele Stoffe aus Baumwollwebware vernäht – dort gab es einfach die schönsten Muster und Designs.
Doch je mehr Mamas nähten, desto größer wurde auch der Markt für dehnbare Stoffe.
Also zog auch bei mir relativ schnell eine Overlockmaschine ein.
2015 kam dann meine erste Stickmaschine dazu:
Eine W6 N6000 mit der Stickeinheit EU1 (10x10 cm).
Gott war ich stolz.
Wenn ich heute meinen Maschinenpark anschaue – allen voran „Berta“ mit 10 Nadeln und einem Stickbereich von 20x30 cm – wirkt die kleine N6000 fast niedlich.
Aber: Sie läuft heute noch.
Und meine Overlock ist übrigens immer noch die W6 454D – seit über 12 Jahren.
Familie und Handmade Business
Doch nicht nur mein Gewerbe wuchs – auch meine Familie.
Nach meiner großen Tochter kam das Minimonster und später der kleine Mann.
Für mich bedeutete das immer auch Unterbrechungen im Business – und danach jedes Mal ein Stück weit wieder neu anzufangen.
Gleichzeitig entwickelte sich auch die Nähwelt immer weiter.
Was bei meiner großen Tochter noch gut funktionierte, war beim Minimonster teilweise schon wieder überholt.
Von Dawanda zu Etsy – ein Neustart
Meine relativ große Facebook-Seite verkümmerte irgendwann ein wenig, weil Instagram immer wichtiger wurde.
Ich gebe zu: Dort habe ich den Anschluss etwas verpasst.
Social Media war für HannaBell allerdings ohnehin immer nur ein kleiner Pfeiler.
Ich kam ursprünglich von Dawanda – und als Dawanda schloss, war das für mich ein riesiger Schock.
Denn genau zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich eigentlich entschieden, Vollzeit für HannaBell zu kämpfen.
Also startete ich – wie viele andere – bei Etsy neu.
Alles auf Null.
Und ich wusste:
Das ist jetzt meine Chance.
Wie sich mein Sortiment entwickelt hat
Ich habe meine Turnbeutel durch Stickereien deutlich von der Masse abgehoben und mit den Lederpuschen ein zweites Standbein aufgebaut.

Die Rucksäcke kamen erst vor etwa drei Jahren dazu und sind inzwischen ein fester Bestandteil meines Sortiments.
Die Walkkleidung gibt es erst seit zwei Jahren – und dank meiner Eigenproduktionen lief sie dieses Jahr so gut, wie ich es mir nie hätte erträumt.
Und so wurde aus einem kleinen Turnbeutel über die Jahre ein kleines Unternehmen.
Ein Unternehmen, in das ich jeden Tag mein Herzblut stecke.
Die Veränderungen in der Handmade Szene
Die Nähwelt hat sich verändert.
Dort, wo früher so viel Kreativität und Miteinander war, sind heute leider vielerorts Neid und Missgunst zu finden.
Mit dem Boom kam auch ein gewisser Verfall.
Stoffe wurden aufgekauft und teuer weiterverkauft. Menschen, die sie wirklich vernähen wollten, hatten oft das Nachsehen.
Abmahnwellen gingen durch Shops, Preisdumping entstand durch Verkäufer ohne Gewerbe.
Facebook-Gruppen, die früher voller Leben waren, sind heute oft leer.
Und auch die Erwartungen der Kunden haben sich verändert.
Perfektion, niedrige Preise und kurze Lieferzeiten – obwohl jedes Teil individuell erst nach Bestellung gefertigt wird.
Ein Teil dieser wunderbaren Nähwelt ist damit leider verloren gegangen.
Aber:
HannaBell ist noch da.
Und ich werde weitermachen.
Weil mir das Nähen und Kreativsein immer noch unglaublich viel Freude macht.
Ein Blick in die Zukunft
Für die Zukunft habe ich noch viele Ideen.
Ich würde gerne mehr Taschen und Rucksäcke für Mamas umsetzen – aktuell fehlt mir dafür einfach noch etwas Zeit.
Doch die Kinder werden größer und vielleicht ist das ein nächster Schritt, den ich hier im virtuellen Lieblingslädchen mit euch teilen kann.
Außerdem arbeite ich gerade an meinen eigenen Stickdateien.
Das ist ein echtes Herzensprojekt – und ich hoffe sehr, dass ich es noch in diesem Jahr an den Start bringen kann.
Danke für diese Zeitreise
Vielen Dank fürs Lesen meiner kleinen Zeitreise.
Habt es fein.
Eure
Steffi